Erläuterungen rund um den Vaterschaftstest

Ein Abstammungsgutachten klärt, ob zwei Personen miteinander verwandt sind. Da es sich in den meisten Fällen um das Vater-Kind-Verhältnis handelt, wird das Abstammungsgutachten auch Vaterschaftstest genannt. Der DNA-STR-Vaterschaftstest ist ein sicheres, modernes und heutzutage gängiges Verfahren.

Die DNA (englische Abkürzung für desoxyribonucleic acid) ist der Träger unserer Erbinformation. Sie liegt im Kern jeder unserer Körperzellen in Form von 23 Chromosomen im doppelten Satz vor. Geschlechtszellen (Eizelle und Spermium) besitzen indes nur einen einfachen Chromosomensatz. Verschmelzen Eizelle und Spermium miteinander, trägt die DNA des neu entstandenen Individuums zum einen Teil mütterliche und zum anderen Teil väterliche Merkmale.

Nicht alle Bereiche der DNA enthalten Merkmalsinformationen (Gene), tatsächlich wird der Anteil solcher Bereiche auf lediglich zehn Prozent der Gesamt-DNA geschätzt. Die übrigen DNA-Bereiche haben keine bislang bekannte Funktion. Einige ihrer Abschnitte sind jedoch sehr polymorph, also sehr variantenreich. Dazu gehören auch die STR-Systeme (Short Tandem Repeats). Jedes Individuum hat ein charakteristisches STR-Muster, welches auch als „genetischer Fingerabdruck” bezeichnet wird. STR werden nach den gleichen Regeln wie andere genetische Merkmale vererbt. Sie eignen sich daher für den Nachweis verwandtschaftlicher Beziehungen.

Um die DNA von Mann, Frau und Kind auf STR-Systeme hin untersuchen zu können, wird die gesamte Erbinformation aus den Zellen isoliert. Mit Hilfe der Polymerasekettenreaktion (PCR) werden gezielt einige Bereiche vervielfältigt. Diese umfassen mindestens 20 STR-Systeme, die auf mindestens zehn verschiedenen Chromosomen lokalisiert sind. Die vervielfältigte DNA wird in einem DNA-Sequenzer mittels Kapillarelektrophorese aufgetrennt, die nachgewiesenen Fragmente werden anhand von Standards und Allel-Leitern eindeutig definiert. Durch den hohen Polymorphismus der untersuchten Systeme ergibt sich die hohe Leistungsfähigkeit in der Vaterschaftsdiagnostik.
Theoretisch kann die DNA-Isolierung aus jeder Zellprobe erfolgen, Blutproben eignen sich aufgrund ihres Zellgehaltes aber besonders gut.

Der genetische Fingerabdruck eines Kindes muss zum einen Teil dem des Vaters und zum anderen Teil dem der Mutter entsprechen. Unterscheiden sich mindestens vier der überprüften STR-Systeme, die bei Vater und Kind identisch sein müssten, wird die biologische Vaterschaft ausgeschlossen. Der Ausschluss ist sicher. Stimmen sämtliche verglichene STR-Systeme von Mann und Kind überein, ist die Vaterschaft zu mindestens 99,999 Prozent sicher.